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Reichtum der Erde verringert sich dramatisch

Weltweiter Verlust an biologischer Vielfalt durch Raubbau und Klimawandel

VON:SILKE LUNNEBACH

s.lunnebach(at)klimabuendnis.org

Pressemitteilung, 20. Mai 2010

Die Eindämmung des Verlustes an biologischer Vielfalt ist auf internationaler
Ebene weitgehend gescheitert. Das ist die verheerende Erkenntnis des
aktuellen Berichts des UN-Sekretariats zur biologischen Vielfalt - dem
Global Biodiversity Outlook 3 - der die aktuellsten Entwicklungen weltweit
zusammenfasst. Im Jahr der biologischen Vielfalt und im Vorfeld der 10.
internationalen Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt (COP 10) in
Nagoya, Japan, versagt die internationale Staatengemeinschaft nach
dem Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen erneut, effektive
Lösungen für ein dringendes weltweites Problem auf internationaler Ebene
auszuarbeiten und durchzusetzen.

Der Artenschwund nimmt vor allem infolge der Erschließung der
Regenwälder durch Straßenbau, illegalem Holzeinschlag und dem Abbau
von natürlichen Ressourcen wie Erdöl und Erdgas sowie der großflächigen
Ausbreitung der Rinderzucht, des Anbaus von Soja und Palmöl, zu. Der
Klimawandel verstärkt diesen Prozess zusätzlich. Seit 1970 sind über 30 %
der Tierpopulationen, 20 % der Mangroven und Seegräser und 40 % der
Korallenflächen verloren gegangen, erklärt Prof. Joseph Alcamo, Chef-
Wissenschaftler der UNEP. Damit sind auch die
Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) gefährdet, denn die Artenvielfalt ist
ein wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung und
Armutsreduzierung.

COICA (Dachverband der indigenen Organisationen des
Amazonasbeckens), die indigene Partnerorganisation des Klima-Bündnis,
hat deshalb in einer Erklärung auf dem Klimagipfel in Bolivien auf den
Zusammenhang zwischen Klimawandel und der fortschreitenden Zerstörung
ihrer Lebensräume hingewiesen: "Unsere Besorgnis mit den indigenen
Völkern weltweit ist, dass wir, ohne direkt für den Klimawandel
verantwortlich zu sein, die Hauptbetroffenen der negativen Auswirkungen
sind: Wüstenbildung, erzwungene Migration, Verschwinden der biologischen
Vielfalt, Verlust unserer Identität und Hunger. Diese Prozesse müssen
dringend gestoppt werden. Eine Wiedergutmachung der ökologischen und
durch Menschen verursachten Schäden ist notwendig."

Zum besseren Schutz des Weltklimas und der biologischen Vielfalt,
unterstützt das Klima-Bündnis auch die Yasuní-ITT-Initiative der
ecuadorianischen Regierung:

Ecuador verzichtet auf die Erdölförderung in seinem größten Erdölfeld, das
sich teilweise direkt unter dem Yasuní-Nationalpark befindet, wenn die
internationale Gemeinschaft die Hälfte der entgangenen Einnahmen in einen
Fond einzahlt, mit dem die Nationalparks erhalten und die Energiewende
Ecuadors finanziert werden sollen.

Dieser Vorschlag hat international große Aufmerksamkeit erlangt, da er von
einem Land formuliert wurde, das vom Verkauf des Erdöls ökonomisch
anhängig ist. Es fordert jedoch auch die internationale Gemeinschaft
heraus, Länder wie Ecuador bei ihren Anstrengungen zum Schutz wichtiger
ökologischer Gebiete zu unterstützen. Der Yasuní-Nationalpark beherbergt
das Gebiet mit der höchsten biologischen Vielfalt der Erde und wurde 1989
von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Auf der internationalen Jahrestagung und Mitgliederversammlung des
Klima-Bündnis im April 2010 in Perugia, Italien, verabschiedete das Klima-
Bündnis eine Resolution, in der die EU und ihre Mitgliedsstaaten
aufgefordert werden, die Yasuní-Initiative auch finanziell zu unterstützen.

 

Weitere Informationen:

undefinedResolution des Klima-Bündnis zur Unterstützung der Yasuní-Initiative (pdf, 150 KB)

undefinedVollständiger Bericht der UN zur Lage der Biologischen Vielfalt (in Englisch)

undefinedDeutsche Zusammenfassung des UN-Berichtes